Pink Elephant Safaris - Gayway to Afrika
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Bericht aus "Männer aktuell" von Jürgen Bieniek

REISE IN DEN SCHOSS VON MOTHERCITY
Die südafrikanische Hafenmetropole KAPSTADT ist so multikulturell, europäisch und schwulenfreundlich wie keine andere Stadt auf dem afrikanischen Kontinent. Nicht nur bei deutschen Touristen steht das Kap der Guten Hoffnung hoch im Kurs.
Text: Jürgen Bieniek
Es sind nur noch wenige Minuten bis zur Landung. Beim Blick aus dem Fenster des Airbus sieht er aus wie eine geschliffene Trutzburg, die majestätisch über der Bucht thront und das Anfang vom Ende Afrikas ankündigt. Der Tafelberg, das Wahrzeichen von Kapstadt, heißt den Besucher nach elf Flugstunden in Südafrika willkommen.

Wer noch nie seinen Fuß auf afrikanischen Boden gesetzt hat und vielleicht nebulöse Klischees über den „Schwarzen Kontinent“ im Kopf hat, wird erst einmal staunen. Südafrikas 3-Millionen-Metropole am Kap der Guten Hoffnung ist so europäisch wie keine andere Stadt auf dem Kontinent – multikulturell und schwulenfreundlich obendrein.

Die „Mother City“, wie Einheimische Kapstadt liebevoll nennen, ist zehn Jahre nach dem Ende der Apartheid und der politischen Machtübernahme durch die schwarze Mehrheit (77 Prozent von 43 Millionen) das kosmopolitische Schaufenster Südafrikas. Menschen aus aller der Welt, vor allem aber Europäer, zieht die „schönste Stadt am Ende der Welt“ magisch an. Darunter zahlreiche Deutsche, die hier „aussteigen“ und eine neue Existenz aufbauen. Manche hat auch die Liebe ans Kap der „schwulen“ Hoffnung verschlagen. An die 100.000 Deutsche sollen inzwischen in Kapstadt bzw. der Provinz Westkap leben.

Jens Merbt aus Berlin ist einer von ihnen. Vor zwei Jahren verkaufte er seinen schwulen Erotikshop und wanderte auch der Liebe wegen gen Süden. Hier eröffnete er die schwule Sauna Hot House und vor ein paar Monaten das Hotel Metropole. „In Deutschland sah ich für mich keine Zukunft mehr“, sagt er und fügt hinzu: „Nur zahlen, arbeiten und dauernd pessimistische Stimmung.“ In Deutschland passiere nichts mehr, in Kapstadt sei das anders.

Dabei ist es hier – anders als noch zu Zeiten der Apartheid, als jeder Weiße als „Verstärkung“ mit Kusshand aufgenommen wurde – gar nicht mehr so einfach, eine Arbeitserlaubnis und das Daueraufenthalt zu bekommen. Wer hier leben will, so schreibt die schwarze Regierung vor, muss nachweislich investieren und Arbeitsplätze für Schwarze schaffen. Nur sein Vermögen verprassen geht nicht.

Das bestätigen auch Armin John und Freddy Schwarz, die aus Zürich „geflüchtet“ sind. Das Pärchen hatte vom „Arbeitsstress“ und dem ständigen „materiellen Streben“ die Nase voll. „Man reibt sich ein Leben lang auf und wartet sehnsüchtig auf die Rente. Soll es das gewesen sein?“ In Kapstadt kauften sie ein heruntergekommenes Haus und bauten es um. Nun beherbergen sie im Clarence House Touristen und betreiben nebenbei die Reiseagentur Pink Elephant Safaris.

Rundum zufrieden“ fühlt sich auch Verleger und Fotograf Volker Janssen (58), der schon 1996 seine Zelte in Berlin abgebrochen hatte. Der Gründer der Galerie Janssen in Berlin lebt und arbeitet seitdem als Verleger (u.a. schwule Fotobände) in Simon’s Town, einem idyllischen Küstenort auf dem Weg ans Kap der Guten Hoffnung. Die einmalig schöne Landschaft, acht Monate mediterranes Klima und „der bessere Umgang der Menschen untereinander“ möchte er seit seinem Auszug aus Deutschland nicht mehr missen. Und wenn das alles nicht reicht, dann sei da ja noch die interessante schwule Szene ...

Aber deshalb allein kommt niemand hierher. Schon vom ersten Moment an übt die Stadt eine Faszination aus, die bis zuletzt prickelnd bleibt. Ist es der strahlend blaue Himmel, das besondere Licht am Kap, das selbst Werbefirmen zur Produktion von Reklamespots hierher lockt, ist es das multikulturelle Flair oder die einzigartige Landschaft mit einer Vegetation, die es in der Tat nirgendwo sonst auf der Welt gibt? Oder ist es einfach nur die Sonne, die hier länger scheint als in Madrid und Rom, und doppelt so lange wie in Frankfurt.

Vielleicht liegt es aber auch am Umstand, dass Kapstadt alles andere als afrikanisch wirkt. Denn Kapstadt bzw. das, was man als Tourist wahrnimmt, ist eine überwiegend weiße Stadt. Im Zentrum am Fuße des Tafelbergs, am Küstenstreifen längs des Bergmassivs, an der Waterfront, dem zum Touristen-Disneyland umgebauten ehemaligen Hafenviertel, und in den Stadtteilen Green Point und Waterkant, wo sich die schwule Szene konzentriert, sind überwiegend Kapstädter weißer Hautfarbe zu Hause.

Die schwarzen Städter wohnen in der Regel in eigenen Stadtvierteln oder den sogenannten Townships. Diese Siedlungen mit einfachen Behausungen, die einem schon bei der Fahrt vom Flughafen in die Stadt auffallen, sind Relikte aus der Zeit der Apartheid.

Bis 1991 war die strikte Rassentrennung quasi Staatsdoktrin Nummer Eins. Ob Parkbank oder Eingang zum Postamt, alles, eben auch die Wohnviertel, wurde nach Hautfarbe(n) getrennt. Bei den Jobs galt das Prinzip: Schwarze verrichten die Drecksarbeit und Weiße sagen, wo es lang geht. Zum Glück sind diese finsteren Zeiten seit über zehn Jahren vorbei. Doch es braucht Zeit, bis Strukturen und Mentalitäten sich durchgreifend wandeln. Diesbezüglich ist Kapstadt sicherlich am weitesten in ganz Südafrika, weil es bereits zu Zeiten der Apartheid als liberal und aufmüpfig gegen die Apartheidsregeln galt. Je weiter man jedoch ins Hinterland fährt, desto mehr werden die Folgen von über 100 Jahren bis ins Detail verordneten Rassismus immer noch spürbar.

Wer sich dies als (weißer) Besucher ins Bewusstsein ruft, kann vieles besser einordnen und verstehen, ohne sich „schuldig“ zu fühlen. Dafür gibt es auch keinen Grund, schließlich ist man als Urlauber im Land und wird von den Kapstädtern, ob schwarz oder weiß, allenthalben mit einer freundlichen Aufbruchstimmung empfangen. Auch eine Erfahrung, die die Faszination dieser Metropole – und des Landes – ausmacht.

Wer zum ersten Mal nach Kapstadt reist, kann hier locker zwei Wochen verbringen. Vom klassischen Sightseeing-Programm abgesehen, findet der Individualtourist alles für einen aktiven Urlaub. Ein Muss ist der Sonnenuntergang auf dem Signal Hill und natürlich eine Fahrt per Seilbahn auf den 1.000 Mete hohen Tafelberg. Von hier, mit dem Kap der Guten Hoffnung im Rücken, ist der Blick einfach atemberaubend. Wer will, kann den Tafelberg in einer Tagestour auch zu Fuß erklimmen. In der Umgebung gibt es zudem zahlreiche Wandermöglichkeiten. Auch Badetage lassen sich einschieben, am besten im südafrikanischen Hochsommer (Dezember bis März), wenn der Atlantik nicht ganz so frisch an die Küste brandet. Auf dem Weg zum Kap der Guten Hoffnung locken Weingüter mit vorzüglichen Restaurants und schmucke Städtchen. Wer unberührte, wilde Landschaften und fast menschenleere Strände schätzt, kommt nur wenige Kilometer von Kapstadt entfernt voll auf seine Kosten.

Das gilt auch für Tagestouren ins Hinterland der Westkap-Provinz. Wer wissen will, woher der südafrikanische Pinotage im heimischen Supermarkt stammt, fährt ins 50 Kilomenter entfernte Stellenbosch, ein von Holländern gegründetes Städtchen im Herzland des südafrikanischen Weinanbaus. Mit dem Mietwagen geht es dann weiter entlang der „Weinroute“ bis zum Weingut Fraai Uitzicht in der Nähe des Städtchens Robertson (ca. 180 Kilometer), einem der ältesten Südafrikas. Hier erwarten einen zwei Schwule aus Deutschland, die das verfallene Gut in einen Garten Eden mit angeschlossenem Hotel und Restaurant verwandelt und sich damit selbst verwirklicht haben.

In Kapstadt zurück, entspannt man sich zuerst im Hot House, trinkt dann einen Cabernet Sauvignon und isst dazu Springbock-Carpaccio und Straußensteak. Mit dieser Grundlage geht’s ab ins Nachtleben. Die Szene ist nicht riesig, aber gesellig und kommunikativ. Schwarze sind hier in der Minderheit, was nichts mit Rassismus als viel mehr damit zu tun hat, dass sich viele die Preise nicht leisten können. Mal abgesehen davon, dass sich deutsche Urlauber mit ihren Euros wie in Schnäppchenland vorkommen – das gilt für alle Preise, ob in Bars, Restaurants oder beim Shoppen in Boutiquen – haben die Schwulenbars europäischen Standard. So fühlt man sich hier – auch in dieser Hinsicht – sofort heimisch. Was gerade „in“ ist, dicht gemacht oder neu eröffnet hat, erfährt man aus den Zeitungen Detail oder Exit, die monatlich kostenlos erscheinen.

Wie tolerant Kapstadt ist, erweist sich seit zehn Jahren im Dezember. Im selben Jahr, als Nelson Mandela zum ersten schwarzen Präsidenten des Landes gewählt wurde und die Geburt der „Regenbogen-Nation“ ausrief, fand in Kapstadt der erste Gay Pride-Event statt. Inzwischen lohnt es sogar, seinen Urlaub in Südafrika extra auf diesen Termin zu legen. Highlight des mehrtätigen Treibens ist die Mother City Queer Party, ein gigantisches Kostümfest und die Parade durch Cape Town. Beides bleibt jedem noch so CSD-erprobten Besucher als unvergleichliches Ereignis in Erinnerung. Die Megaparty wurde erstmals 1996 gefeiert, als Südafrika eine Verfassung bekam, in der, weltweit einzigartig, auch Homosexuelle vor Diskriminierung geschützt sind. Aktuell wird sogar die Einführung der Homo-Ehe debattiert. Erstaunlich in einem Land, dessen schwarze Bevölkerung traditionell und kulturell eher zur Ablehnung von Homosexualität tendiert. Auch diesbezüglich ist Kapstadt eben anders als der Rest Südafrikas.

Wer nach zehn Tagen Kapstadt seinen Urlaub mit etwas Besonderem krönen will, dem sei ein zweitägiger Abstecher in die schwulenfreundliche (und deutsch geführte) Fünf-Sterne-Lodge des privaten Naturreservat Grootbos empfohlen. In Gaansbai, rund 180 Kilometer südöstlich und nicht weit von Südafrikas Top-Badeort Hermanus entfernt, bietet sich hier dem Besucher eine einzigartige Vegetation und eine atemberaubende Küstenlandschaft. Wer zur richtigen Zeit dorthin fährt, erlebt mit der alljährlichen Rückkehr der Wale zum Begatten in die Walker Bay ein beeindruckendes Naturschauspiel. Und das alles quasi mit dem Fernrohr vom Pool aus oder, wer es abenteuerlich mag, mit dem Boot auf Tuchfühlung zu den Meeressäugern.

Mit solchen Eindrücken lässt man Kapstadt gewiss mit einer Träne in den Augen hinter sich. Noch während man den Tafelberg entschwinden sieht, nimmt man sich fest vor, wieder zurück zu kommen. Dass hier sogar deutsche Zeit herrscht, ist nur das allerletzte Argument, die elf Flugstunden auf sich zu nehmen.


INFOS & TIPPS

# South African Airways fliegt ab dem 1. September 3 x wöchentlich Frankfurt-Kapstadt nonstop. Hinflüge Mi, Fr und So um 19.50 Uhr (Ankunft 7.45 Uhr), Rückflüge Di, Do und Sa um 17.15 Uhr (keine Zeitverschiebung!)

# Infos zu Sehenswürdigkeiten und Ausflugsmöglichkeiten in Kapstadt und der Provinz Westkap gibt es unter www.southafrica.net sowie www.capetourism.org
# Infos zur Schwulenszene, schwulfenfreundlich oder schwul geführten Hotels und Gästehäusern unter www.capegayguide.co.za oder im internationalen Gay Guide SPARTACUS 2004/05 (Bruno Gmünder Verlag, 25,95 Euro). Hotels gibt es direkt in den Szenevierteln. Der diesjährige Gay Pride in Kapstadt findet vom 16. bis 19. Dezember statt – am 18.12. steigt die Mother City Queer Party und am 19.12. die große Schwulen- und Lesbenparade.

# Wer seinen Aufenthalt gerne familiär schwul und in einer Hand mit einem Tourenveranstalter gestalten möchte, ist im Clarence House im Stadtteil Claremont südlich des Tafelberges gut aufgehoben .
Hier hat auch der deutsche Reiseveranstalter Pink Elephant Safaris einen Ableger. Der Essener Reiseveranstalter (Bahnstr. 11, 45257 Essen, Tel. 0201-48 60 37) ist auf gayfriendly Touren durch die Kapprovinz und das restliche Südafrika spezialisiert – Infos unter www.pink-elephant-safaris.de

# Infos zur 5-Sterne-Naturlodge Grootbos unter www.grootbos.com

# Zur Kriminalität: Horrormeldungen über Raubmorde und Überfälle auf Touristen haben in den letzten Jahren für ein negatives Image gesorgt. In der Tat: Man muss in Kapstadts City, aber noch viel mehr in Johannesburg, besonders aufpassen. Eine spezielle und stets präsente Touristenpolizei sorgt sich um Sicherheit. Wer die gängigen Regeln beachtet (abends nicht alleine auf die Straße, keine Wertsachen zur Schau stellen), wird seinen Urlaub so genießen können wie in London, Paris oder Rom. Tagestouren und Ausflüge in die Umgebung oder ins Hinterland sind sicher.


 




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